Meckenheim: Bürgermeister Schnieber zieht nach einem Jahr Bilanz

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Meckenheim – Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat Meckenheims Bürgermeister Sven Schnieber eine persönliche Bilanz gezogen, die die Stadt veröffentlicht hat. Sein erster Arbeitstag im Rathaus war der 3. November 2025. Schnieber sagte, Meckenheim sei seine Heimat, und die Arbeit für die Stadt sei für ihn etwas sehr Persönliches. Die Freude an der Aufgabe sei geblieben, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig seien.

Finanzen und Zukunftsbild

Am meisten überrascht habe ihn, wie stark und wie schnell sich die finanzielle Lage verschärft habe. Schwächere Steuereinnahmen träfen auf steigende Kosten und zusätzliche Aufgaben. Die Stadt müsse Ausgaben und Abläufe gründlich prüfen und brauche zugleich eine verlässliche Finanzierung durch Bund und Land. Seine Prioritäten seien stabile Finanzen, gesicherte Infrastruktur und eine gezielte Weiterentwicklung. Aufgeschobene Unterhaltung könne später erheblich teurer werden. Ein Kommunikationskonzept soll erklären, warum die Stadt handeln muss und welche Entscheidungen anstehen.

Sein Zielbild für 2035 ist eine Stadt mit solider Finanzlage, in der Familien, Kinder und ältere Menschen gute Bedingungen vorfinden. Außerdem sollen die Zentren Orte zum Einkaufen und Begegnen bleiben. Um das zu erreichen, müsse die Verwaltung heute sparsamer wirtschaften und Prioritäten setzen. Manche Leistungen und Standards würden sich daher verändern.

Ansprechbar bleiben, Ehrenamt, Betreuung

Der Bürgermeister nennt Bürgersprechstunden, Gespräche in den Ortsteilen und Begegnungen bei Veranstaltungen als wichtig. Mit „Bürgermeister vor Ort“ gebe es einen zusätzlichen, unkomplizierten Zugang, etwa auf dem Altstadtfest. Als Ehrenamtskoordinatorin steht Hanna Esser dem Engagement seit Mitte April zur Seite. Sie ist direkt beim Bürgermeister angebunden und soll feste Anlaufstelle zwischen Ehrenamt und Verwaltung sein.

Zum ersten Meckenheimer Betreuungsgipfel U6 trafen sich Ende April Vertreter der Verwaltung, der Träger, der Kindertagespflege, Fachkräfte und Eltern; auch der Landschaftsverband Rheinland und das Jobcenter waren beteiligt. Thema waren Fachkräfte, deren Gewinnung und Verbleib, sowie die Qualität und Verlässlichkeit der Betreuung. Schnieber versteht den Gipfel als Auftakt, auf dem die weitere Zusammenarbeit aufbauen soll. Nach Gesprächen mit der Bezirksregierung konnte die Stadt für die Theodor-Heuss-Realschule die Genehmigung für eine zusätzliche Klasse mit 27 Plätzen erreichen. Nun müssen die erforderlichen Mittel noch politisch bereitgestellt werden.

Digitales und Verkehr

Seit April ist der Stadtmelder online: Bürgerinnen und Bürger können damit zu jeder Tageszeit Mängel und Schäden samt Ortsangabe und Foto digital an die Verwaltung melden. Für die Verwaltung wurde ein Digitalisierungsfahrplan bis 2030 benannt, der elektronische Akten, digitale Rechnungsabläufe und IT-Sicherheit umfasst. Beim Glasfaserausbau durch die Netzbetreiber bleibt die Stadt unterstützend dabei; im Juni kam Vodafone als weiterer Anbieter hinzu. Die Unterflurcontainer am Neuen Markt, jahrelang außer Betrieb, sind inzwischen entfernt.

Sechs linksrheinische Kommunen, darunter Meckenheim, bereiten eine gemeinsame Tempoüberwachung vor. Vorgesehen sind zunächst zwei angemietete Blitzer-Anhänger. Angesiedelt werden soll die dafür zuständige Bußgeldstelle in Meckenheim. Los gehen soll es 2027.

Wirtschaft

Die Kriterien für die Ansiedlung im Unternehmerpark Kottenforst hat die Stadt zusammen mit dem Rat weiterentwickelt. Die Anforderungen wurden gestrafft, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zählt stärker. Angesiedelt werden sollen Firmen, die Arbeits- und Ausbildungsplätze bieten, vor Ort Wertschöpfung erzeugen und auf Dauer zum städtischen Haushalt beitragen. Auch Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung fließen weiter in die Bewertung ein. Schnieber besuchte Betriebe, darunter die Grafschafter Krautfabrik, The British Shop und LLG, und sprach dort über Wachstum, Arbeitskräfte und Standortbedingungen. Außerdem möchte er geeignete Firmen und Geldgeber für weitere Freizeitangebote gewinnen und gemeinsam mit den Vereinen ausloten, was möglich ist.

Schulcampus

Als Höhepunkt des ersten Amtsjahres nennt Schnieber die feierliche Einweihung der neuen Schulgebäude am 16. Oktober. Rechtzeitig zum Schuljahr 2026/27 konnten die Neubauten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums und der Geschwister-Scholl-Hauptschule bezogen werden. Die Unterrichtsgebäude entstanden termingerecht, und die Kosten blieben bei dem Großprojekt bisher im geplanten Rahmen. Schnieber dankte seinem Amtsvorgänger, Rat, Verwaltung und den Schulgemeinschaften. Bis zum Sommer 2027 sollen außerdem die Aula, die Mensa und ein gemeinsamer Schulhof fertig werden.

Kommentar der Redaktion

Die Bilanz zählt viele erledigte Punkte auf, bleibt bei den Finanzen aber allgemein. Der Hinweis, dass sich Standards verändern werden, ist ehrlich, doch welche Leistungen betroffen sein könnten, sagt die Mitteilung nicht. Offen bleibt auch, wie sich die angekündigte Prioritätensetzung konkret auf die Angebote der Stadt auswirkt.

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