Aachen: 43,4 Millionen Euro für neue Prüfstände an der RWTH

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Aachen – Die RWTH Aachen erhält Fördergeld für drei Vorhaben, die den Kern einer neuen Testinfrastruktur für Luftfahrtantriebe bilden. Regierungspräsident Gregor Lange übergab am Freitag in der historischen Maschinenhalle des Instituts für Strahlantriebe und Turbomaschinen (IST) die Förderbescheide für H2Engine.NRW, MPP.NRW und HydRA.NRW. Zusammen werden sie mit rund 43,4 Millionen Euro unterstützt, teilte die RWTH Aachen mit.

Die Projekte sind wesentliche Voraussetzungen für das „Testing Center Aviation & Energy“ (TCAE). Dabei handelt es sich um eine Forschungs- und Testinfrastruktur für zukünftige Luftfahrtantriebe. Finanziert wird sie über die Strukturförderung für das Rheinische Revier, getragen von Bund und Land Nordrhein-Westfalen. Bewilligt hat die Förderung die Bezirksregierung Köln im Geschäftsbereich des NRW-Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie.

Die drei Vorhaben

H2Engine.NRW (rund 16,4 Millionen Euro): Gebaut wird ein modularer Prüfstand für Wellenleistungstriebwerke mit bis zu 1.500 Kilowatt. Damit sollen vollständige Triebwerkssysteme unter realitätsnahen Bodenbedingungen untersucht werden, vor allem für künftige Hubschrauberantriebe. Ein Schwerpunkt liegt auf der Wasserstoffverbrennung.

MPP.NRW (rund 9,8 Millionen Euro): Vorgesehen ist eine mobile Plattform zum Testen brennstoffzellen-elektrischer Antriebe. Sie basiert auf einem Lastkraftwagen. Vollständige Entwicklungsantriebsstränge lassen sich darin einbauen und unter dynamischen Bedingungen untersuchen. Ergänzt wird die Plattform durch einen modularen Testantriebsstrang.

HydRA.NRW (rund 17,1 Millionen Euro): Geplant sind zwei Prüfstände für Radial- und Axialverdichter. Schwerpunkt sind Verdichter für wasserstoffbasierte Antriebe, die sowohl in Brennstoffzellensystemen als auch in Triebwerken mit direkter Wasserstoffverbrennung zum Einsatz kommen.

Die Laufzeit der drei Vorhaben reicht von 2026 bis 2029. Danach sollen die Prüfstände für Forschungs- und Entwicklungsprojekte bereitstehen und die experimentelle Validierung neuer Antriebstechnologien ermöglichen.

Stimmen zur Übergabe

Lange sagte, die neuen Prüfstände verbänden wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Anwendung und eröffneten Perspektiven rund um Wasserstoff und klimafreundliche Antriebssysteme. Bei der Übergabe an Institutsleiter Peter Jeschke und Rektor Ulrich Rüdiger zitierte er einen Spruch aus dem Ruhrgebiet: „Besser als die Tante, die Klavier spielt, ist der Onkel, der etwas mitbringt.“

Rüdiger nannte den Tag einen tollen Moment für die RWTH. Die Förderung sei ein „immenser Vertrauensbeweis in den Standort und unsere Fähigkeiten“, sagte er. Die Hochschule wolle nicht nur Wissen schaffen, sondern auch für Industrie und Gesellschaft wirksam sein. Gerade die Luft- und Raumfahrt gewinne dabei weiter an Gewicht. Jeschke sprach von einem Meilenstein für mehr Nachhaltigkeit in der Fliegerei und von einem Segen für den Strukturwandel im Rheinischen Revier.

Rolle des TCAE und der Industrie

Im TCAE sollen sich die Prüfstände ergänzen, vom Test einzelner Verdichterteile bis zur Erprobung ganzer Antriebssysteme. Die Infrastruktur soll Wissenschaft und Industrie enger zusammenbringen und in Aachen die Arbeit an neuen Luftfahrttechnologien fördern. Als Teil der Strukturförderung soll sie Forschungskompetenzen in Luftfahrt, Wasserstoff und Energietechnik ausbauen und neue Anknüpfungspunkte für industrielle Anwendungen schaffen.

Die Industrie war ebenfalls beteiligt: Fabian Donus, Leiter Technologie-Management bei MTU Aero Engines, sprach über zukünftige Luftfahrttechnologien. Außerdem wurde das „Center of Competence for Flying Fuel Cell™ Systems“ von MTU Aero Engines eingeweiht. Dr. Thomas Polklas von der Everllence SE (Technologie- und Innovationsmanagement) schilderte den industriellen Blick auf Energie- und Antriebstechnologien.

Zum Hintergrund der Förderung: Bund, Land und EU unterstützen den Strukturwandel im Rheinischen Revier mit mehr als 14,8 Milliarden Euro. Zusätzlich gibt das Land eigene Haushaltsmittel dazu. Bewilligt wurden bisher 1.163 Projekte, deren Fördervolumen sich auf rund 3,8 Milliarden Euro beläuft.

Kurz und knapp

  • Bescheide erhielten H2Engine.NRW, MPP.NRW und HydRA.NRW.
  • Fördersumme: rund 43,4 Millionen Euro
  • Laufzeit: 2026 bis 2029
  • Ort der Übergabe: Maschinenhalle des Instituts für Strahlantriebe und Turbomaschinen (IST) der RWTH Aachen
  • Bewilligung: Bezirksregierung Köln

Kommentar der Redaktion

Für Aachen ist die Förderung ein klarer Standortvorteil, weil Prüfstände Forschung und Industrie an einen Ort binden. Offen lässt die Mitteilung, welche Arbeitsplätze oder Kooperationen daraus entstehen und wann erste Ergebnisse vorliegen. Interessant wird, ob die Prüfstände nach dem Aufbau tatsächlich von Unternehmen genutzt werden und wie ihr Betrieb finanziert wird.

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