Euskirchen – Eine ältere Frau aus Euskirchen ist auf eine Betrugsmasche im Internet hereingefallen und hat 15.000 Euro verloren. Sie hatte drei Monate lang online Kontakt zu einer Person, die sich als Prinz aus Dubai ausgab. Als diese vermeintliche Bekanntschaft um Geld bat, überwies die Frau die Summe. Die Kriminalpolizei Euskirchen ermittelt, teilte die Kreispolizeibehörde Euskirchen mit.
Die Polizei ordnet den Fall als sogenanntes Love-Scamming ein, das auch Romance-Scamming heißt. Die Betrüger geben vor, romantisch interessiert zu sein, gewinnen so das Vertrauen ihrer Opfer und nutzen diese anschließend finanziell aus. Die Täter knüpfen Kontakt etwa in sozialen Netzwerken, auf Dating-Portalen oder per Messenger und stellen gezielt emotionale Nähe her. Mit Komplimenten, Liebesbekundungen und Plänen für eine gemeinsame Zukunft erwecken sie den Anschein einer echten Beziehung.
Ist das Vertrauen erst einmal aufgebaut, kommt oft schon bald die Forderung nach Geld. Begründet wird das zum Beispiel mit einer angeblichen Geldnot, unerwarteten Gebühren oder sonstigen vermeintlichen Problemen. Solche erfundenen Geschichten wirken mitunter sehr glaubhaft.
Mögliche Warnzeichen
Auf einen Betrugsversuch kann hindeuten, wenn die Internetbekanntschaft schon nach kurzer Zeit intensive Gefühle zeigt, früh von gemeinsamer Zukunft oder Heirat spricht und gezielt persönliche Informationen abfragt. Häufig kommen attraktive Profilbilder zum Einsatz. Teilweise heißt es, ein persönliches Treffen sei aus beruflichen oder anderen Gründen nicht möglich. Irgendwann wird dann Geld verlangt. Die Polizei betont, dass diese Anzeichen nur Hinweise und kein sicherer Beweis sind. Entscheidend sei, kein Geld an Menschen zu überweisen, die man nur aus dem Internet kennt und noch nie persönlich getroffen hat.
Wer Geld überwiesen hat, soll umgehend die Bank kontaktieren und versuchen, die Überweisung stoppen oder zurückholen zu lassen. Als Beweismittel empfiehlt es sich, Chatverläufe, Nachrichten, Profile und Zahlungsbelege aufzubewahren. Außerdem rät die Polizei, Anzeige zu erstatten.
Kurz und knapp
- Seien Sie misstrauisch, sobald eine Internetbekanntschaft rasch starke Gefühle äußert oder Geld fordert.
- Geben Sie den Namen der Person gemeinsam mit „Scammer“ in eine Suchmaschine ein. Auch eine Rückwärtssuche mit den Profilbildern kann auf eine falsche Identität hindeuten.
- Gehen Sie sparsam mit persönlichen Angaben, Ihrer Adresse und privaten Fotos oder Videos um.
- Sprechen Sie über das Geschehene mit jemandem, dem Sie vertrauen.
- Überweisen Sie kein Geld und lassen Sie sich auch durch vermeintliche Notfälle nicht drängen.
- Bereits Geld überwiesen: Bank umgehend kontaktieren, Beweise sichern, Anzeige bei der Polizei erstatten.
Zum Hintergrund
Auch die Polizei im Rhein-Kreis Neuss rät bei dieser Betrugsmasche zur Vorsicht. Sie geht beim Love-Scamming von einem großen Dunkelfeld aus, weil viele Opfer aus Scham keine Anzeige erstatten. Davon profitierten allerdings die Täter. Wüsste die Polizei mehr über sie, ließen sich Ermittlungen gezielter führen, und die Bevölkerung könnte vor deren Maschen gewarnt werden.
Wer den Betrug bemerkt, soll nach den Tipps der Polizei sofort jeglichen Kontakt abbrechen und keine Anrufe des Chatpartners annehmen. Geleistete Zahlungen sollen umgehend rückgängig gemacht werden. Als Beweise nennt die Polizei Screenshots von Chats, E-Mail-Kopien, erhaltene Fotos und Bankbelege. Zudem rät die Polizei Opfern, sich an den Weißen Ring zu wenden, wo sie weitere Unterstützung erhalten.
Die Verbraucherzentrale NRW erklärt zum Zurückholen von Geld, dass sich eine selbst veranlasste Überweisung nicht mehr rückgängig machen lässt, wenn die Bank den Auftrag schon ausgeführt hat. In den meisten Fällen komme selbst ein rascher Anruf zu spät, weil zahlreiche Überweisungen sofort in Echtzeit verbucht werden. Die Verbraucherzentrale bezieht sich dabei auf Internet-Betrug beim Online-Einkauf.
Kommentar der Redaktion
Der Fall zeigt, wie viel Geduld die Täter aufbringen: Dem Geldwunsch ging ein monatelanger Vertrauensaufbau voraus. Wer jemanden nur online kennt, sollte Geldwünsche als Warnsignal sehen, egal wie glaubwürdig die Geschichte klingt. Wichtig ist, nicht aus Scham zu schweigen, sondern früh Vertraute und Polizei einzubeziehen.

