Im Handwerk der Region Aachen ist die Stimmung gedämpft, obwohl die aktuelle Lage solide bleibt. 78 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Gleichzeitig plant ein großer Teil der Betriebe, weniger Geld auszugeben: 43 Prozent wollen bei Maschinen, Gebäuden oder Digitalisierung zurückhaltender investieren. Das geht aus der Herbstkonjunkturumfrage 2026 der Handwerkskammer Aachen hervor, wie die Kammer mitteilte. Befragt wurden die rund 17.750 Handwerksbetriebe in der StädteRegion Aachen und den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg.
Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels sagte bei der Vorstellung der Studie: „Die Betriebe behaupten sich in einem schwierigen Umfeld. Aber die Luft wird dünner.“ Als Belastungen nannte er steigende Kosten, schwache Nachfrage und politische Unsicherheit.
Bau trägt, gewerblicher Bedarf leidet
Gegenüber dem Herbst 2025 hat sich die Lage kaum verändert, damals waren 79 Prozent der Betriebe zufrieden. Stabil bleiben vor allem das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe mit soliden Auftragszahlen und Umsätzen. Merklich schlechter steht es um die Betriebe, die für gewerbliche Kunden arbeiten, denn die anhaltende Industriekrise hinterlässt dort tiefe Spuren.
Der Blick nach vorn fällt etwas düsterer aus als vor einem Jahr. 29 Prozent der Betriebe erwarten eine schlechtere Geschäftslage, 36 Prozent rechnen mit Umsatzrückgängen. Ein Jahr zuvor waren es 26 und 33 Prozent. Als Gründe für die Investitionszurückhaltung nennt die Kammer die stark gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe. Hinzu kommt, dass sich viele Verbraucher bei größeren Anschaffungen zurückhalten. Stoffels warnte: „Wenn die Betriebe heute nicht investieren können, fehlt morgen die Grundlage für Wachstum.“
Kritik an der Bundesregierung
Die Geduld der Betriebe mit der Bundesregierung schwindet laut Studie. Stoffels fasste die Kritik so zusammen: Die seit mehr als einem Jahr angekündigten Reformen ließen auf sich warten. Weder sei die versprochene Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau für alle Betriebe umgesetzt, noch die Abschaffung der Bonpflicht für Bäckereien und Friseurbetriebe. Stattdessen stehe eine digitale Variante der Bonpflicht im Raum. Die Betriebe bräuchten Planungssicherheit, bezahlbare Energie und weniger Bürokratie.
Beschäftigung stabil
Beim Personal bleibt die Lage ruhig. Bei zwei Dritteln der Betriebe blieb die Belegschaft unverändert, zwölf Prozent haben zusätzliche Mitarbeitende eingestellt. Händeringend gesucht werden Hilfs- und Fachkräfte vor allem in Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Unterschiede im Kammerbezirk
- Kreis Düren: Die rund 3.660 Betriebe liegen bei den Ergebnissen über dem Durchschnitt und schauen vergleichsweise zuversichtlich in die Zukunft. Düren ist die einzige Region, die mit mehr Beschäftigung rechnet.
- Kreis Euskirchen: Die Werte liegen weitgehend im Kammerdurchschnitt. Der starke Hochbau stabilisiert, die Beschäftigung entwickelte sich besser als in den übrigen Regionen.
- Kreis Heinsberg: Die Stimmung hat sich eingetrübt, vor allem wegen der schwachen Konjunktur im Dachdecker- und Elektrohandwerk.
- StädteRegion Aachen: Sie bildet das Schlusslicht. Belastend wirken die Krise im Handwerk für den gewerblichen Bedarf und die Lage im Straßenbau, auch Maler- und Dachdeckerbetriebe haben zu kämpfen.
Die Handwerkskammer vertritt nach eigenen Angaben rund 17.750 Betriebe mit über 85.000 Angestellten und knapp 5.400 Lehrlingen. Der Umsatz des Handwerks im Kammerbezirk liegt bei circa 10,5 Milliarden Euro.
Kurz und knapp
- Handwerkskammer Aachen, Pressestelle, Sandkaulbach 17 – 21, 52062 Aachen
- E-Mail: [email protected]
- Doris Schlachter, Tel. +49 241 471-139
- Alexander Bank, Tel. +49 241 471-135
- Erik Staschöfsky, Tel. +49 241 471-132
- Alle Umfragen der Kammer: www.hwk-aachen.de/umfragen
Kommentar der Redaktion
Die Umfrage zeigt ein Handwerk, das aktuell noch gut dasteht, aber an die eigene Substanz denkt. Wer weniger investiert, spürt die Folgen oft erst später, das macht die Zurückhaltung heikel. Die Forderungen an die Bundesregierung sind aus Sicht der Kammer nachvollziehbar, bleiben in der Mitteilung aber allgemein. Welche Entlastungen konkret helfen würden, erfahren Leser nicht.

