Aachen – Wie sicher fahren Roboterautos, und wann werden sie alltäglich? Darauf gibt Dr. Timo Woopen Antworten, die er für Kinder aus der Großen Maus-Show formuliert hat. Die RWTH Aachen teilte mit, worum es dabei geht: Im Mittelpunkt steht das Forschungsfahrzeug „karl.“, das bei der Wissenschaftsnacht zu sehen sein wird.
Kinder wollten wissen, in welchen Situationen selbstfahrende Autos heute schon besser fahren als Menschen. Woopen verweist auf die Sensoren. Wir Menschen verlassen uns beim Fahren vor allem auf die Augen. Autonome Fahrzeuge haben dagegen Kameras, Radarsensoren und Laserscanner. Mit Radar und Laserscannern können sie Objekte teilweise sogar bei dichtem Nebel erkennen, und hier sind sie dem menschlichen Sehen überlegen.
Was „karl.“ besonders macht
Auf dem Dach des Fahrzeugs sitzen zusätzliche Kameras, Radar- und Laserscanner, die gleichzeitig in alle Richtungen schauen. Im Kofferraum arbeitet ein leistungsstarker Computer, nach Woopens Worten sozusagen das „Gehirn“ des Autos. Er wertet die Sensordaten aus und entscheidet vereinfacht gesagt, ob „karl.“ bremst, lenkt oder beschleunigt.
Das Fahrzeug tauscht sich außerdem mit Ampeln und anderen Fahrzeugen aus. So erfährt es etwas über den Verkehr, was die eigenen Sensoren noch nicht erfassen, etwa hinter der nächsten Kurve. Die Software ist offen, sodass Forschende weltweit gemeinsam daran arbeiten können. Das Fahrzeug ist nicht auf abgesperrte Teststrecken beschränkt, es darf bundesweit im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sein. Dabei sitzt stets ein Sicherheitsfahrer am Steuer, der jederzeit die Kontrolle übernehmen kann.
Wann Roboterautos zur Regel werden
Einen plötzlichen Wechsel erwartet Woopen nicht, die Entwicklung gehe Schritt für Schritt. Robotaxis, die komplett ohne Fahrer auskommen, sind in manchen Städten der USA und Chinas bereits unterwegs. Hierzulande erwartet er solche Fahrzeuge zunächst nur in klar umgrenzten Bereichen, etwa als Minibusse oder Pendelfahrzeuge, die feste Routen abfahren. Bis selbstfahrende Autos überall fahren, etwa auf Landstraßen, bei beliebigem Wetter und in allen Städten, werde es noch einige Jahre dauern. Zuvor müsse genau geprüft werden, dass ein Fahrzeug wirklich sicher ist. Woopen erklärte: „Und genau daran arbeiten wir.“
Das erwartet Besucher der Wissenschaftsnacht
Bei der Wissenschaftsnacht können Besucherinnen und Besucher „karl.“ aus der Nähe ansehen und entdecken, wo die verschiedenen Sensoren sitzen. Im Fahrzeug wird gezeigt, wie es Autos, Fußgänger und andere Objekte erkennt, man sieht die Welt also mit „karl.s“ Augen. In seinem Vortrag erläutert Woopen, wie ein selbstfahrendes Auto seine Umgebung erfasst, Entscheidungen trifft und handelt, und weshalb das schwieriger ist, als es zunächst scheint. Ein weiteres Thema ist die Frage, wie sich überhaupt feststellen lässt, ob ein Roboterauto sicher genug fährt.
Zum Hintergrund
Für die Einteilung des automatisierten Fahrens gibt es eine gängige Klassifizierung mit fünf Stufen, die bei Stufe 0 ohne jede Automatisierung beginnt. Auf Stufe 3 übernimmt ein automatisiertes System das Fahren in bestimmten Situationen, der Mensch muss aber auf Aufforderung die Kontrolle übernehmen. Auf Stufe 4 ist innerhalb dieser Fahrsituationen kein Eingreifen des Menschen mehr nötig.
Nach Angaben der Informationsseite zum automatisierten Fahren waren Anfang 2022 in Deutschland bereits Systeme bis Stufe 3 im Regelbetrieb. Die rechtliche Grundlage für Stufe 4 entstand 2021 mit dem Gesetz zum autonomen Fahren. Es erlaubt autonome Fahrzeuge in festgelegten Betriebsbereichen.
Im Straßenverkehrsgesetz ist geregelt, dass eine automatisierte oder autonome Fahrfunktion im öffentlichen Straßenverkehr nur mit einer besonderen Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts aktiviert werden darf.
Kommentar der Redaktion
Die Antworten sind kindgerecht und ehrlich, denn Woopen verspricht kein baldiges Robotertaxi an jeder Ecke. Interessant ist der Ansatz, die Fahrzeugsicht erlebbar zu machen. Offen bleibt, wann und wo die Wissenschaftsnacht stattfindet, das nennt die Mitteilung nicht. Wer hingehen will, sollte sich vorher beim Veranstalter informieren.

