Eine koptische Gemeinde in der Aggerstraße ist vielen in Siegburg kaum bekannt. Beim Interkulturellen Stadtrundgang lernten die Teilnehmenden sie nun kennen, wie die Stadt Siegburg mitteilte. Mikel und Gabriele Karieks stellten dabei ihre Glaubensgemeinschaft vor.
Der Begriff „koptisch“ bedeutet ursprünglich „ägyptisch“. Die heutigen Kopten leben überwiegend weiterhin in Ägypten, wo es beispielsweise 80 Klöster gibt. Kopten sind aber auch in anderen Ländern ansässig, unter anderem in Deutschland. Gefeiert wird die Liturgie traditionell in koptischer und deutscher Sprache. An der Spitze der weltweit organisierten Kirche steht Papst Tawadros II., der in den 2010er-Jahren mehrfach in Deutschland war.
Jeden Sonntag versammelt sich die Gemeinde von 9.30 bis 12.30 Uhr zum Gottesdienst. Im Anschluss finden die Agape, das gemeinsame Essen, die Sonntagsschule, die Bibelstunde sowie ein Jugendtreffen statt. Die Besucher fühlten sich an ihren vorherigen Besuch bei den Griechisch-Orthodoxen erinnert, denn Ikonographie und Liturgie wirken äußerlich ähnlich. In der theologischen Ausrichtung unterscheiden sich beide Kirchen jedoch grundlegend. Das liegt an der Entfernung der Herkunftsgebiete: Alexandria auf der einen und Byzanz auf der anderen Seite. Nach den Worten von Mikel Karieks sind Gäste herzlich willkommen, denn ein Gottesdienst lasse sich kaum beschreiben, man müsse ihn erleben.
Weil dort mehr Platz ist und es praktischer war, stellten die Kopten ihr Programm in der evangelischen Auferstehungskirche in der Annostraße vor. Dort sprach Pfarrer Matthias Lenz inmitten der Erntedankkulisse über Gotteshaus und Gemeindeleben. Das Gotteshaus entstand 1957 als Ersatz für den viel größeren Vorgängerbau, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde. Seine Form gleicht einem Zelt und steht damit sinnbildlich für die unmittelbare Nähe zu Gott. Bunte Fenster, indirekte Beleuchtung und verrückbares Mobiliar verleihen dem zweckmäßigen Raum eine warme Atmosphäre.
Neben Gottesdiensten und Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien nutzt die Kantorei die Räume für viele musikalische Richtungen. Bekannt ist die Kirche für aufwendige chorsinfonische Werke und für Auftritte des Gospelchors Rising Voices. Je nach Alter kommen die Mitglieder entweder bei den Young Voices oder in der Seniorenkantorei zusammen. Hinzu kommen ein Posaunenchor sowie Konzerte an der Flentrop-Orgel.
Kurz und knapp
- Der koptische Gottesdienst findet jeden Sonntag zwischen 9.30 und 12.30 Uhr statt.
- Danach folgen Agape, Sonntagsschule, Bibelstunde und Jugendtreffen
- Die Gemeinde befindet sich in der Aggerstraße in Siegburg
- Die Vorstellung der Gemeinde fand in der evangelischen Auferstehungskirche in der Annostraße statt
Zum Hintergrund
Laut Wikipedia bezeichnete das Wort Kopten ursprünglich diejenigen Einwohner Ägyptens, die als ihre Sprache die ägyptische Sprache verwendeten. Heute bezeichnet der Begriff meist die Angehörigen der Koptisch-orthodoxen Kirchen. Die koptische Sprache entwickelte sich demnach im 3. Jahrhundert nach Christus aus dem Ägyptischen.
Die koptische Kirche geht laut Wikipedia auf das alexandrinisch-ägyptische Christentum der Spätantike zurück. Als ihr Gründer gilt der Überlieferung nach der Evangelist Markus. Der Kirche steht ein Papst vor, seit 2012 Tawadros II.
Zur Lage in Deutschland nennt Wikipedia zwei koptische Klöster: das Kloster in Höxter-Brenkhausen, in dem der koptische Generalbischof für Deutschland residiert, und eines in Waldsolms-Kröffelbach. Weitere Gemeinden bestehen demnach unter anderem in Düsseldorf und Holzwickede.
Kommentar der Redaktion
Der Rundgang zeigt, wie viel sich in der eigenen Stadt entdecken lässt, wenn man einfach hineingeht. Die Einladung der Gemeinde an Gäste ist ein konkretes Angebot. Offen bleibt, wie die Gemeinde in Siegburg aufgebaut ist und wie viele Mitglieder sie hat. Wer neugierig ist, kann sonntags einen Gottesdienst besuchen.

