Düsseldorf – Zwischen Hasselbach und Wehebachtalsperre bei Stolberg soll ein unterirdischer Stollen von fünf Kilometern Länge entstehen. Das Projekt heißt „Weheüberleitung“ und soll in Dürrejahren zusätzliches Wasser liefern und bei Starkregen Siedlungen und Industriegebiete in Stolberg und Eschweiler schützen. Das teilte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW mit.
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert den Bau mit 89 Millionen Euro. Für die restlichen 11 Millionen kommt die Betreibergesellschaft WAG auf. Laut Ministerium wird dieses Prinzip schon im Harz und an der Dhünntalsperre im Bergischen Land genutzt. Die Wehebachtalsperre wird jetzt weiterentwickelt, damit sie den veränderten Anforderungen durch den Klimawandel gerecht wird.
Mehr Wasser für Düren in Trockenzeiten
Unter anderem die Stadt Düren bezieht mehr als die Hälfte ihres Trinkwassers aus der Wehebachtalsperre. Sie speist sich nur aus dem Regen im eigenen Einzugsgebiet. In den Trockenjahren 2018 bis 2022 sank ihr Beitrag zur regionalen Wasserversorgung deshalb massiv. Künftig soll durch den rund 3,5 Meter breiten Stollen zusätzliches Wasser aus dem Hasselbach in die Talsperre fließen. Das soll das Trinkwasser sichern und dem wasserintensiven Industriestandort Düren helfen, etwa der dortigen Papierindustrie. Das Wasser fließt laut Ministerium durch das natürliche Gefälle und ohne Energieeinsatz in die Talsperre.
Das zusätzliche Wasser soll nach Angaben des Ministeriums außerdem die Ansiedlung neuer Unternehmen ermöglichen, etwa aus der Lebensmittelproduktion. Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort sollen so erhalten bleiben.
Schutz vor Hochwasser in Stolberg und Eschweiler
Bei einer Hochwasserlage kann der Stollen Wasser aus dem Hasselbach in die Talsperre ableiten, bis zu 12 Kubikmeter pro Sekunde. Für die Flüsse Vicht und Inde bedeutet das eine Entlastung. Bei extremen Ereignissen soll der Hochwasserpegel am Hasselbach in Zweifall um bis zu 74 Prozent sinken, an der Vicht im Raum Stolberg und Eschweiler um rund 15 Prozent. Die Flut 2021 richtete in der Region Schäden in dreistelliger Millionenhöhe an, und viele Betriebe lagen wochen- oder monatelang lahm. Die Weheüberleitung soll dieses Risiko künftig deutlich senken, so das Ministerium.
Umweltminister Oliver Krischer ordnet das Vorhaben so ein: „Dieses Projekt ist die bedeutendste Investition in das Talsperrensystem der Eifel seit mehr als 40 Jahren.“
Planung in zwei Jahren
Planung und Genehmigung eines so komplexen Bauwerks dauern üblicherweise fünf bis zehn Jahre. Die WAG schaffte Gutachten, Planunterlagen und das Planfeststellungsverfahren gemeinsam mit den Genehmigungsbehörden in zwei Jahren. Möglich wurde das laut Ministerium vor allem durch enge Abstimmung aller Beteiligten. Wasserverbände aus Sachsen und dem Harz zeigen sich an diesen Planungsprozessen interessiert.
Das Vorhaben gehört zum Strukturwandel im Rheinischen Revier. Bund, Land und EU unterstützen diesen mit mehr als 14,8 Milliarden Euro. Bewilligt wurden bisher 996 Projekte, die zusammen etwa 3,6 Milliarden Euro an Förderung erhalten.
Kurz und knapp
- Länge des Stollens: fünf Kilometer, Breite rund 3,5 Meter
- Ableitung bei Hochwasser: bis zu 12 Kubikmeter pro Sekunde
- Förderung durch das Land NRW: 89 Millionen Euro
- Anteil der Betreibergesellschaft WAG: 11 Millionen Euro
Kommentar der Redaktion
Das Projekt verspricht Nutzen für Trinkwasser und Hochwasserschutz zugleich, und das ohne Pumpenergie. Für Anwohner in Stolberg und Eschweiler zählt vor allem, wie schnell gebaut wird. Dazu nennt die Mitteilung weder Baubeginn noch Fertigstellung. Die Prozentangaben zur Entlastung stammen vom Ministerium, unabhängig überprüfen lassen sie sich hier nicht.

