Ein Original an der Wohnzimmerwand muss nicht gekauft sein. Artotheken verleihen aktuelle Kunst ähnlich wie Bibliotheken Bücher, meist gegen eine kleine Gebühr und manchmal auch kostenlos. Die meisten dieser Einrichtungen gehören zu öffentlichen Bibliotheken, Träger können aber auch Kunstvereine, Kulturämter oder Museen sein.
Im Rheinland gibt es solche Angebote unter anderem in Köln, Bonn, Bergisch Gladbach und Siegburg. In Köln betreibt das städtische Kulturamt die Ausleihe, in Bonn der Kunstverein, in Bergisch Gladbach ein Museum. Die Bedingungen unterscheiden sich, vor allem bei Zugang, Leihfrist und Kosten.
Köln: städtische Ausleihe mit eigenem Ausstellungsraum
Die artothek in Köln gibt es nach Angaben des Kulturamts seit über 50 Jahren, Wikipedia nennt 1973 als Gründungsjahr. Neben der Ausleihe zeigt sie Ausstellungen von Kölner und internationalen Künstlerinnen und Künstlern, ihr Ziel ist es, junge Kunst zu fördern und zu vermitteln. Sie liegt Am Hof 50 und öffnet dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr, samstags von 13 bis 16 Uhr.
Wie viel ausgeliehen wird, zeigt der Geschäftsbericht des Kulturamts für 2024. Aus 1.605 verfügbaren Werken kamen in dem Jahr 2.129 Ausleihen zustande, jede für zehn Wochen. Insgesamt zählte die artothek 3.526 Besucherinnen und Besucher. Für 20 neu angekaufte Werke gab die Stadt 19.036 Euro aus.
Aufschlussreich für alle, die sich für Papier und Rahmen interessieren, ist ein weiterer Punkt aus dem Bericht. Mit Fördergeld wurden aus den Anfangsbeständen 350 Werke neu gerahmt und konservatorisch bearbeitet, damit sie langfristig verliehen werden können. Entfernt wurden vor allem säurehaltige Materialien, die mit der Zeit zu Bräunungen geführt hatten, außerdem Gebrauchsspuren an Glas und Rahmen.
Bonn und Bergisch Gladbach: Leihbestände in Kunstverein und Museum
In Bonn gehört die Artothek zum Bonner Kunstverein. Sie entstand 1987, kurz nachdem der Verein in eine umgebaute frühere Blumenhalle im Norden der Altstadt gezogen war, und begann mit 44 Werken. Heute umfasst der Leihbestand laut Wikipedia mehr als 1500 Arbeiten, viele davon kamen 1992 und 1994 als Dauerleihgabe einer Sparkasse dazu. Damit gehört sie zu den größten Artotheken in Deutschland.
Im Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach ist seit 1993 eine Artothek geöffnet, die Ehrenamtliche betreiben. Sie hält mehr als tausend Werke bereit, ausleihen lässt sich dort zum Beispiel ein Original von Joseph Beuys. Der Bestand bildet die internationale Kunst von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart ab.
Siegburg: Ein Bibliotheksausweis reicht
Besonders niedrig ist die Hürde in Siegburg. Die Artothek im Kulturhaus, zu dem Stadtmuseum und Stadtbibliothek gehören, öffnet donnerstags von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung. Zur Wahl stehen 110 gerahmte Bilder in unterschiedlichen Größen.
Ausleihen kann, wer einen Nutzerausweis der Stadtbibliothek besitzt. Ein Bild bleibt drei Monate, verlängert werden kann, solange niemand anderes es vorgemerkt hat. Die Gebühr liegt bei fünf Euro pro Bild, die Versicherung ist eingeschlossen. Im Online-Katalog lässt sich vorab prüfen, ob ein Werk gerade frei ist.
Original oder Reproduktion: Was in den Beständen steckt
Die Bestände setzen sich in der Regel aus Originalen zusammen, teils auch aus Reproduktionen, der Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst. Welche Werke angekauft werden, entscheidet häufig eine Jury aus Museumsleuten, Galeristen oder Künstlern, manchmal auch die Leitung selbst. Selbst verkaufen Artotheken nicht, sie können aber den Kontakt zur Künstlerin oder zum Künstler vermitteln, wenn jemand ein Bild erwerben möchte.
Auf einen Blick
- Köln: artothek, Am Hof 50, dienstags bis freitags 13 bis 19 Uhr, samstags 13 bis 16 Uhr.
- Bonn: Artothek im Bonner Kunstverein, mehr als 1500 Werke.
- Bergisch Gladbach: ehrenamtlich betriebene Artothek im Kunstmuseum Villa Zanders, seit 1993.
- Siegburg: 110 gerahmte Bilder, Leihfrist drei Monate, fünf Euro je Bild mit Versicherung.
Eigene Einschätzung
Ein Bild für einige Wochen in der eigenen Wohnung zu haben, ist ein guter Test, bevor man Geld für Kunst ausgibt. Man merkt schnell, ob ein Motiv nach dem dritten Blick noch trägt. Schade ist, dass sich die Angebote schwer vergleichen lassen: Die Öffnungszeiten sind knapp, und Bedingungen und Gebühren stehen nicht überall leicht auffindbar im Netz. Vor dem ersten Besuch lohnt deshalb ein Anruf, um Leihfrist, Kosten und Transport zu klären.
Quellen
- siegburgaktuell 15.04.2026 | Kreisstadt Siegburg (abgerufen am 21.10.2026)
- Artothek – Wikipedia (abgerufen am 21.10.2026)
- artothek – Raum für junge Kunst – Stadt Köln (abgerufen am 21.10.2026)
- Stadt Köln: Geschäftsbericht 2024 (PDF) (abgerufen am 21.10.2026)
- Bonner Kunstverein – Wikipedia (abgerufen am 21.10.2026)
- Villa Zanders – Wikipedia (abgerufen am 21.10.2026)
Die Redaktion hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben. Jede Zahl und jede Tatsachenangabe wurde vor der Veröffentlichung mit der genannten Quelle abgeglichen. Die „Eigene Einschätzung“ ist ein Kommentar der Redaktion.

