Aachen – Georg Puntigam, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen, hat den Förderpreis der Gesellschaft für Tribologie bekommen. Das teilte die RWTH Aachen mit. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung bei der GfT-Fachtagung in Wernigerode. Nach Angaben der Hochschule zeichnet die Gesellschaft damit seit 2015 jedes Jahr herausragende Abschlussarbeiten aus der Tribologie aus.
Der 30-jährige gebürtige Kölner absolvierte sein Maschinenbaustudium an der TU München und der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Zum Masterstudiengang Computational Engineering Sciences ging er dann an die RWTH. Heute arbeitet er sowohl am Aachener Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme als auch am Integrated Fuel and Chemical Science Center (FSC²).
Ausgezeichnet wurde seine Masterarbeit. Darin untersuchte Puntigam, ob Physik-informierte Neuronale Netze (PINNs) die elastohydrodynamische Fluid-Struktur-Interaktion bei Dichtungen und Schmierstoffen physikalisch erfassen und nachbilden können. Faras Brumand und Professorin Katharina Schmitz betreuten die Arbeit. Internationale Fachzeitschriften haben die Ergebnisse bereits aufgegriffen, sie waren Thema auf Konferenzen und wurden auch auf der GfT-Tagung präsentiert.
„Es freut mich, dass meine Arbeit so gewürdigt wird“, sagte Puntigam. Bei Physik-informierten Neuronalen Netzen handle es sich um ein vergleichsweise junges Forschungsfeld, zu dem auch die RWTH und vor allem sein Institut schon mehrere wichtige Beiträge beigesteuert hätten. An der Auszeichnung lasse sich ablesen, wie groß das Interesse an neuen Methoden ist und wie stark die Bedeutung von Machine Learning im Ingenieurwesen zunimmt.
Neben der Forschung ist Puntigam musikalisch aktiv: Privat spielt er Trompete und schreibt eigene Kompositionen, von denen einige laut RWTH schon international zur Aufführung kamen.
Zum Hintergrund
Tribologie befasst sich mit Reibung, Verschleiß und Schmierung. Die Tribologie-Gruppe am Institut für Maschinenelemente und Systementwicklung der RWTH untersucht nach eigenen Angaben die Wechselwirkungen zwischen den beanspruchten Oberflächen von Maschinenbauteilen und Schmierstoffen. Ein optimales Zusammenspiel im tribologischen Kontakt sei wesentlich für eine lange Lebensdauer von Maschinen und Anlagen sowie für deren energie- und ressourcenschonenden Betrieb.
Wie Wikipedia erläutert, sorgt Schmierung dafür, dass Reibung und Abnutzung sinken, wenn zwei Bauteile einer Maschine gegeneinander bewegt werden. Bei der Vollschmierung nimmt der Schmierstoff die Belastung komplett auf, die Kontaktflächen sind dann getrennt.
Eine Form der Vollschmierung ist die elastohydrodynamische Schmierung. Sie tritt laut Wikipedia im Kontakt hochbelasteter bewegter Walzen auf, etwa bei Zahnrädern und Wälzlagern. Nach dieser Darstellung berücksichtigt die Elastohydrodynamik zusätzlich zu den Grundgleichungen der Hydrodynamik, dass sich die miteinander in Kontakt stehenden Körper durch den hydrodynamischen Druck elastisch verformen.
Kommentar der Redaktion
Die Mitteilung zeigt, wie eng Grundlagenforschung und Maschinenbau zusammenhängen. Für Laien bleibt offen, was PINNs in der Praxis für Dichtungen und Schmierstoffe konkret verändern könnten. Dazu sagt die Mitteilung nichts. Interessant wäre, ob sich die Methode außerhalb der Forschung bereits einsetzen lässt.

