Der dritte Interkulturelle Stadtrundgang in Siegburg ist zu Ende gegangen, und er endete in der Schatzkammer von St. Servatius. Das teilte die Stadt Siegburg mit. Dort sind teils 800 Jahre alte Edelstein-Häuschen zu sehen, in denen die „Schreinheiligen“ wohnen. Heute sind sie vor allem eine Touristenattraktion, die Besucher in Vitrinen bestaunen.
Kirchenführer Heinz Peter Lob erklärte, wie sich das vom Mittelalter unterschied. Damals pilgerten Tausende zu den Schreinen und fassten sie mit den Händen an. Konnte jemand die Reise nicht antreten, schickte er ein Tuch mit einem Stellvertreter, und dieser breitete es kurz über der Kostbarkeit aus. So sollte der Daheimgebliebene später einen Hauch der Heiligkeit spüren, vor allem die des Stadtgründers Anno.
Annos Grab und das Katholisch-Soziale Institut
Zum letzten Programmpunkt gehörte außerdem ein Besuch an Annos Grab in der Abteikirche. Die Führung durch die Kirche und das benachbarte Katholisch-Soziale Institut (KSI) übernahm Dr. André Schröder, der bis vor einem Jahr kommissarisch an der Spitze des Instituts gestanden hatte. Das KSI strahlt laut Mitteilung überregional aus. Zu den Gästen zählen Pfarrgemeinderäte ebenso wie Abteilungen von Bonner DAX-Unternehmen.
Schröder sprach zudem über zwei weitere Organisationen mit internationalem Charakter. Der kleine Konvent der Unbeschuhten Karmeliten besteht aus Mitgliedern, die aus Indien kommen. Die „Aktion Neue Nachbarn“ ist eine Initiative der Flüchtlingshilfe. Damit untermauert das Erzbistum seinen Anspruch, in aktuellen Fragen gesellschaftlich mitzugestalten.
Bilanz und Ausblick
VHS, KSI und Kreisstadt organisieren den Rundgang gemeinsam. Drei Jahre nach dem Start des Formats fällt ihr Fazit sehr gut aus. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv, und die Anmeldezahlen stiegen, sowohl für den auf drei Tage angelegten Komplettrundgang als auch für die Einzelveranstaltungen. Das zeige, dass Interesse besteht, in Siegburg religiöse und kulturelle Orte sowie Gemeinschaften auf neue Weise zu entdecken.
2027 soll der Rundgang erneut stattfinden. Die Veranstalter hoffen auf weiter steigende Teilnehmerzahlen und wollen damit den interkulturellen Dialog voranbringen, den sie für wichtig halten.
Kommentar der Redaktion
Ein Stadtrundgang, der Mittelalter-Schreine, ein Institut und eine Flüchtlingsinitiative an einem Ort zusammenbringt, zeigt gut, wie vielschichtig Siegburg ist. Offen bleibt, wer die Teilnehmenden sind und ob auch Menschen kommen, die den besuchten Gemeinschaften sonst fernstehen. Davon hängt ab, ob aus Besichtigungen tatsächlich Dialog wird.

